27. November 2020
Frühjahr

Frühjahr


Puppentheater


Es gibt im Jahre eine Zeit,
da fres­sen Rau­pen weit und breit
ein jeder Pflanze keck und mun­ter
die aller­letz­ten Blät­ter run­ter.

Auch Raupe Heinz war Kan­di­dat
auf der gro­ßen Blät­ter­jagd,
begab sich leicht­sin­nig bereit
in die Blatt­ab­hän­gig­keit.

Sei­ner Frau war schon ganz bang,
sie war­tete meist Nächte lang,
bis Heinz mit Blatt­ge­ruch im Mund
im Haus­flur da lag, kugel­rund.

So sprach sie zu ihm vol­ler Sor­gen:
„Du holst dir Hilfe, und zwar mor­gen!
So kön­nen wir nicht wei­ter­le­ben!
Es muss was ande­res für dich geben!”

Heinz schleppte sich nun unga­lant
zu einem Haus mit Schild, wo stand:
„Wir ver­spre­chen: Es wird bes­ser!
Die anony­men Blät­ter­fres­ser.”

Da saß er nun schon eine Stunde
in der anony­men Runde,
in der sich satt an sat­ter reihte,
und jeder auf ‘nem Blatt ver­weilte.

Bis jemand sprach, es war der Lei­ter:
„So geht es doch mit uns nicht wei­ter!
Nur mal aus dem Bauch her­aus,
wie siehts denn mit ver­pup­pen aus?”

Die Idee war wirk­lich Klasse,
es rief gleich jemand aus der Masse:
„Lasst uns doch in Zwei­er­grup­pen
dort drü­ben an dem Strauch ver­pup­pen!”

Bald hing der Heinz ver­kehrt herum,
am Strau­che im Deli­rium.
Und als der Früh­ling wurde mun­ter,
war Heinz vom Blatt­ge­nuss her­un­ter.

Lang­sam riss die Puppe ein,
denn Heinz wollte sich rasch befreien.
Doch keine Raupe kam her­vor,
als Schmet­ter­ling stieg er empor.

Seine Frau, ganz ohne Gruppe,
wurde auch ‘ne hüb­sche Puppe.
Und so flie­gen sie zu zweit
durch des Jah­res Früh­lings­zeit!

Der Heinz blieb stolz den Blät­tern fern!
Hängt jetzt aber am Nek­tar dran!

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