6. März 2021
Vorziehen

Vorziehen von Gemüse

Liebe Gar­ten­freun­din­nen und liebe Gar­ten­freunde,

ab Licht­mess (2. Februar) wer­den die Tage län­ger. So lang­sam krib­belt es uns in den Fin­gern und wir wol­len wie­der raus in den Gar­ten. Für viele Arbei­ten ist es noch zu früh. Im Februar/März ist für erste Aus­saa­ten auf der Fens­ter­bank, im Früh­beet und im Gewächs­haus der rich­tige Zeit­punkt. Das Vor­zie­hen von Gemüse hat den Vor­teil, dass die Pflan­zen dann schon groß genug sind, wenn sie aus­ge­pflanzt wer­den kön­nen. Das erfolgt bei den meis­ten Gemü­sen in unse­rer Region erst ab Mitte Mai, nach den letz­ten Nacht­frös­ten. Beginnt man erst dann mit der Anzucht, bleibt für die Ent­wick­lung zu wenig Zeit und die Ernte fällt gerin­ger aus. Wer sich das sel­ber Vor­zie­hen erspa­ren will, kann natür­lich die Jung­pflan­zen beim Gärt­ner oder in Gar­ten­märk­ten kau­fen. Hier ist aller­dings die Sor­ten­aus­wahl ein­ge­schränkt. Die Aus­wahl an Gemü­se­sa­men ist rie­sig. Wer gern neue, sel­te­nere oder alte Gemü­se­sor­ten aus­pro­bie­ren möchte, sollte die Pflan­zen sel­ber vor­zie­hen. Dem Wach­sen der jun­gen Pflänz­chen zuzu­se­hen macht Spaß, vor allem den Kin­dern. Ist die Ernte gelun­gen, ist die Freude beson­ders groß.

Rich­tige Aussaaterde:

Für gute Wur­zel­bil­dung wird in lockere fein­krüm­lige nähr­stoff­arme Aus­saat oder Kräu­ter­erde gesät. Ist das Sub­strat mit zu viel Nähr­stof­fen ange­rei­chert blei­ben die Wur­zeln schwach oder wer­den sogar geschä­digt. Sie kön­nen sich auch eine eigene Aus­saat­erde her­stel­len, in dem ein Teil Kom­post, ein Teil Sand und ein Teil Gar­ten­erde gemischt wird. Das Sub­strat sollte gedämpft wer­den, damit wer­den Keime abgetötet.

Wie funk­tio­niert die Aussaat ?

Lesen sie sich die genaue Aus­saat-Anlei­tun­gen auf den Saat­gut­tü­ten durch, da sich die ein­zel­nen Sor­ten der ver­schie­de­nen Gemü­se­ar­ten stark von­ein­an­der unter­schei­den kön­nen und befol­gen sie diese. Die ange­ge­be­nen Aus­saat­zei­ten sind nur Richt­werte und kön­nen je nach Region etwas abwei­chen. Für die Aus­saat wer­den sau­bere Saatscha­len, Mini-Gewächs­häu­ser und Pflanz­töpfe für Ein­zel­aus­saat ver­wen­det. Es eig­nen sich aber auch z.B. Quark­be­cher, Obst-und Gemü­se­scha­len oder auch Eier­pa­ckun­gen. Über­schüs­si­ges Was­ser muss durch kleine Löcher am Boden der Gefäße ablau­fen kön­nen. Die Samen wer­den nicht zu dicht auf die Erde gestreut und leicht mit einem klei­nen Brett­chen ange­drückt. Licht­kei­mer (z.B.: Möh­ren, Knol­len­sel­le­rie) wer­den nicht mit Erde bedeckt. Dun­kel­kei­mer wer­den so mit Erde über­siebt, dass sie dop­pelt so dick wie das Samen­korn bedeckt sind. Jetzt wird die Erde wie­der ange­drückt. Das Beschrif­ten der Anzucht nicht ver­ges­sen, damit man spä­ter noch weiß, was und wo aus­ge­sät wurde. Zum Schluss wird die Aus­saat am bes­ten mit einem Was­serzer­stäu­ber befeuch­tet. Die Saa­ten wer­den mit durch­sich­ti­gen Hau­ben oder Tüten für ein feuch­tes Klima abge­deckt. Sie dür­fen nicht aus­trock­nen. Bei der Kei­mung kann die Aus­saat noch etwas dunk­ler ste­hen. Erschei­nen die ers­ten Keim­linge müs­sen sie so hell wie mög­lich ste­hen, am bes­ten am Süd­fens­ter. Dann brau­chen es die jun­gen Pflänz­chen nicht mehr so warm und soll­ten an einen küh­le­ren Ort gebracht wer­den. Sind die ers­ten Blät­ter nach den Keim­blät­tern zu sehen, kön­nen die Pflan­zen pikiert (ver­ein­zelt) wer­den. Als Zwi­schen­sta­tion bringt man die Jung­pflan­zen ins Gewächs­haus oder Früh­beet. Ist es warm, kön­nen sie tags­über zur Abhär­tung an einen geschütz­ten Ort ins Freie. Man sollte sie noch vor star­ker Son­nen­ein­strah­lung schüt­zen, damit die Blät­ter nicht Verbrennen.

Aus­saat auf der Fens­ter­bank bei ca. 22 Grad:

Paprika hat eine lange Anzucht und sollte 10 Wochen vor dem Aus­pflan­zen schon ab Mitte Februar aus­ge­sät wer­den. Je frü­her die Aus­saat erfolgt, desto eher und üppi­ger wer­den Früchte angesetzt.

Die Aus­saat von Toma­ten erfolgt ab Mitte März. Nach 1 bis 2 Wochen wer­den die jun­gen Pflänz­chen ver­ein­zelt und bis zu den Keim­blät­tern in die Erde gesetzt.

War­ten muss man bei Gurke und Kür­bis bis April. Zuc­chini hat eine kurze Anzucht, es wird erst ab Anfang Mai aus­ge­sät. Hier erfolgt die Anzucht in Töp­fen die nur zur Hälfte gefüllt wer­den. Man legt nur ein 1–2 Kör­ner und bedeckt es leicht mit gesieb­ter Erde. Spä­ter lässt man nur die kräf­tigste Jung­pflanze ste­hen. Wenn die Keim­blät­ter den Topf­rand errei­chen wird mit nähr­stoff­rei­cher Erde auf­ge­füllt. So bil­den sich neue Wur­zeln und die Pflan­zen wer­den kräf­ti­ger. Die Wur­zeln bei den Jung­pflan­zen von Gurke, Kür­bis und Zuc­chini soll­ten nicht beschä­digt wer­den, daher pflanzt man sie nach den Eis­hei­li­gen ab Mitte Mai direkt aus dem Topf an den end­gül­ti­gen Standort.

Aus­saat im Früh­beet und Gewächs­haus bei ca. 15 Grad:

Frühe Sor­ten von Kohl, Kohl­rabi, Radies­chen wer­den ab Februar und Salat ab März ins Früh­beet oder Klein­ge­wächs­haus gesät. Sie haben eine kurze Ent­wick­lungs­zeit und das Gewächs­haus ist für die nächs­ten Kul­tu­ren wie Gur­ken wie­der frei.

Es gibt Aus­nah­men, die sich nicht zum Vor­zie­hen eig­nen: Wur­zel­ge­müse wie Möh­ren, Ret­tich, Rote Bete und Pas­ti­nake wer­den direkt ins Frei­land aus­ge­sät. Die Aus­saat direkt ins Frei­land bei frost­freiem Boden, ist ab Ende April für fast alle Gemü­se­sor­ten mög­lich. Bei Nacht­frös­ten ist ein Schutz mit Hau­ben und Flies rat­sam. Mit dem Anbau im Foli­e­tun­nel kann die Ernte ver­früht wer­den. Foli­e­tun­nel, Früh­beet und Gewächs­haus müs­sen an war­men Tagen (über 18 Grad) gelüf­tet wer­den. Abends soll­ten sie wie­der geschlos­sen werden.

Noch ein Tipp: Wer Früh­kar­tof­feln anbauen möchte, sollte die Saat­kar­tof­feln 4 bis 6 Wochen vor dem Pflanz­ter­min an einem tro­cke­nen und hel­len Ort bei ca. 15 Grad vor­kei­men las­sen. Dazu stel­len sie die Saat­kar­tof­feln auf­recht in Eier­kar­tons. Die Seite mit den meis­ten Augen zeigt dabei nach oben. Sind die Triebe ca. 1cm lang, soll­ten die Knol­len küh­ler gestellt wer­den. Ab April kön­nen sie dann bei frost­freiem Wet­ter gepflanzt wer­den. Über den Kar­tof­fel­an­bau werde ich im nächs­ten Bericht schreiben.

Jetzt wün­sche ich Ihnen viel Erfolg und Freude bei der Gemü­se­an­zucht.
Ihre Fach­be­ra­te­rin Steffi Voigt

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